Bei der Stahlverarbeitung und Wärmebehandlung sind Glühen, Normalisieren, Abschrecken und Anlassen vier grundlegende und zugleich entscheidende Wärmebehandlungsverfahren. Durch die Steuerung von Erwärmungstemperatur, Haltezeit und Abkühlgeschwindigkeit verändern diese Verfahren das innere Gefüge des Stahls und somit seine mechanischen Eigenschaften (wie Härte, Festigkeit und Zähigkeit).
Zweck des Glühens
✅ Verbesserung der Plastizität und Zähigkeit (Verringerung der Sprödigkeit und Verbesserung der Verarbeitbarkeit)
✅ Innere Spannungen beseitigen (um Verformungen oder Risse bei der Weiterverarbeitung zu vermeiden)
✅ Verfeinerung der Kornstruktur (Verbesserung der Mikrostrukturhomogenität und der mechanischen Eigenschaften)
✅ Mikrostruktur anpassen (Vorbereitung auf nachfolgendes Abschrecken, Normalisieren oder Kaltverformen)
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Gängige Glüharten
- Vollständiges Glühen
- Sphäroidisierendes Tempern
- Rekristallisationsglühen
- Spannungsabbauglühen
- Unvollständiges Glühen
- Isothermes Glühen
- Diffusionsglühen
Tabelle zur Auswahl des Glühprozesses
| Material | Glühart | Funktion |
|---|---|---|
| Niedriggekohlter Stahl (z. B. Q235) | Vollständiges Glühen | Härte verringern, Schneiden oder Stanzen erleichtern |
| Hochkohlenstoffstahl (z. B. T10) | Sphäroidisierendes Tempern | Verbesserung der Bearbeitbarkeit und Reduzierung der Härte |
| Kupfer, Aluminium und andere Nichteisenmetalle | Rekristallisationsglühen | Kaltverfestigung vermeiden und Duktilität verbessern |
| Geschweißte Konstruktionen | Spannungsabbauglühen | Schweißeigenspannungen beseitigen und Verformungen verhindern |
| kaltgewalzte Stahlbleche | Unvollständiges Glühen | Mikrostruktur für nachfolgende Umformprozesse anpassen |
Veröffentlichungsdatum: 01.06.2026
